NBA-Draft 2010: John Wall ist die Nummer 1

Es kam, wie es alle erwartet hatten: John Wall ging als
erster Pick der NBA-Draft 2010 an die Washington Wizards. Etwas anderes war
indes so nicht erwartet worden ... Begleitet wird der Point Guard in die NBA
von gleich vier seiner Mitspieler der University of Kentucky. Das bedeutete
NBA-Rekord! Noch nie zuvor waren fünf Spieler einer Uni in der ersten
Draft-Runde im gleichen Jahr zu den Profis gewechselt. Noch ein Superlativ:
Wall ist der erste Spieler der University of Kentucky, der an Nummer eins gedrafted
wird.
Trotz des immensen Talents im Kader war es Wall an der
Uni nicht gelungen mit seinem Team ins Final-Four-Turnier der NCAA einzuziehen.
Jetzt wartet auf ihn die Herausforderung einer Franchise neue Hoffnung zu
geben, die eine peinliche Saison hinter sich hat und vor einem Neuaufbau steht.
Die Wizards wollten 2009/10 eigentlich in den Playoffs
eine gute Rolle spielen. Stattdessen implodierte das Team kurz nach Neujahr
2010 als die Streitereien zwischen Star Gilbert Arenas und Javaris Crittenton
öffentlich wurden. Arenas wurde in der Folge bis zum Saisonende suspendiert,
weil er Waffen mit in die Teamkabine genommen hatte. Auch Crittenton musste den
Rest der Spielzeit aussetzen. In der Folge wurden die anderen beiden All Stars
der Wizards, Antawn Jamison und Caron Butler, getraded. Die Wizards erreichten
eine enttäuschende Bilanz von 26 Siegen und 56 Niederlagen. Wall soll für den
Beginn besserer Zeiten stehen ...
Druck und Arenas
„Ich spüre Druck seit ich in der Highschool zu einem der
besten Spieler meines Jahrgangs erklärt wurde", empfindet Wall die
Situation in Washington nicht als zusätzlichen Ballast. „Ich war immer hungrig,
bereit auf dem Parkett zu kämpfen. Wenn ich auf das Feld gehe, werde ich jede
Herausforderung annehmen."
Die größte Herausforderung dürfte die Situation mit
Arenas sein. Wall könnte als Point Guard spielen, Agent Zero auf Shooting Guard
auflaufen und so den wohl offensiv gefährlichsten Backcourt der Liga bilden.
Beide brachen jedoch den Ball in ihren Händen, um effektiv zu sein ... Auf
jeden Fall wird Wall versuchen nach Chicagos Derrick Rose und Sacramentos
Tyreke Evans der dritte Point Guard in Folge zu werden, der zum „Rookie des
Jahres" ernannt wird - Rose und Evans wurden wie Wall an der Uni von John
Calipari trainiert.
Ebenfalls in ihrem Backcourt begrüßen die Wizards Kirk
Hinrich. Wie die Nachrichtenagentur „The Associated Press" kurz vor der
Draft berichtete, tradeten die Chicago Bulls Kirk Hinrich für den 17. Pick
(Kevin Seraphin), nach Washington. Hinrich ist ein solider Veteran, der beide
Guard-Positionen spielen kann und Wall mit seiner Erfahrung helfen wird.
Nach seiner Wahl, umarmte Wall verschiedene
Familienmitglieder, setzte sich eine blaue Wizards-Cap auf und stieg auf die
Bühne, um Commissioner David Stern die Hand zu schütteln.
„Ich habe unter Coach Cal eine Menge gelernt. Ich wurde
zu einem besseren Anführer in Kentucky", erklärte Wall und bekräftigte
damit seinen Führungsanspruch auch bei seinem neuem Team. „Früher war ich nur
einer, der hart arbeitete, als erster in der Halle war und als letzter ging.
Ich ging mit gutem Beispiel voran. Jetzt bin ich aber ein Anführer, der auch
mal den älteren seine Meinung sagt."
Fünf Wildcats
Neben Wall wurde mit DeMarcus Cousins ein zweiter Spieler
von der University of Kentucky mit den ersten fünf Picks gezogen. Die
Sacramento Kings sicherten sich an fünfter Stelle die Rechte am talentierten
aber umstrittenen Center. Doch die Kentucky Wildcats waren noch lange nicht am
Ende! Patrick Patterson an Nummer 14 (Houston Rockets), Eric Bledsoe als 18.
Pick (Oklahoma City Thunder, dann zu den Clippers getraded) sowie Daniel Orton
an 29. Stelle (Orlando Magic) komplettierten das Quintett.
„Es ist ein großer Tag. Alle stehen hinter uns und die
Leute hören nicht auf uns SMS zu schicken oder auf Twitter zu schreiben",
sagte Cousins.
Die Philadelphia 76ers sicherten sich an Nummer zwei
ausnahmsweise keinen Spieler aus Kentucky, sondern Swingman Evan Turner von der
Ohio State University. Die berüchtigten Philly-Fans im Madison Square Garden
quittierten diese Wahl mit wohl wollenden „Evan Turner! Evan
Turner!"-Sprechchören.
„Ich habe keinen Druck. Ich erwarte von mir selbst sehr
viel", erklärte Turner später. „Wenn Philadelphia von mir große Dinge
erwartet, dann liegen wir auf der gleichen Wellenlänge."
Derrick Favors von der Georgia Tech University wurde an
Nummer drei von den New Jersey Nets gezogen. Mit ihm und Wall kamen somit zwei
Freshman (Spieler, die nur eine Saison an der Uni spielten) mit den ersten drei
Picks in die Liga.
„Ich wusste eigentlich, dass John und Evan an den ersten
beiden Stellen gezogen werden würden. Ich hatte aber keine Ahnung, dass die
Nets mich mit dem dritten Pick verpflichten würden. Das war einfach nur sehr
aufregend", freute sich der Power Forward.
Modischer Höhepunkt und Trades
Die Minnesota Timberwolves zogen an Nummer vier Small
Forward Wesley Johnson, den die Nets ebenfalls auf der Rechnung hatten.
Übrigens: David Stern schien vom ungewöhnlichen Beinkleid (eine karierte Hose
in Weihnachtsfarben ...) Johnsons überaus beeindruckt zu sein.
Die Rechte an Power Forward Ekpe Udoh von der Baylor
University sicherten sich die Golden State Warriors an Nummer sechs. Die
Detroit Pistons wählten einen Pick später Center Greg Monroe von der Georgetown
University. Die L.A. Clippers entschieden sich als neunte für Wake Forests
Small Forward Al-Farouq Aminu.
Small Forward Gordon Hayward von der Butler University
wurde von den Utah Jazz an Nummer neun verpflichtet, bevor die Indiana Pacers
Swingman Paul George von Fresno State ins Team holten. An elfter und zwölfter
Stellen kamen zwei Kansas Jayhawks in die NBA: Center Cole Aldrich wurde von
den New Orleans Hornets gepickt, aber postwendend nach Oklahoma City getraded,
Shooting Guard Xavier Henry verstärkt die Außenpositionen in Memphis.
Aldrich wurde zusammen mit Veteran Morris Peterson zu den
Thunder verschifft. New Orleans bekam im Gegenzug den 21. und 26. Pick (Craig
Brackins und Quincy Pondexter).
In einem anderen Deal schickten die Portland Trail
Blazers Small Forward Martell Webster für Ryan Gomes und Luke Babbitt (16.
Pick) zu den Minnesota Timberwolves.
Gedrafted: Tibor Pleiß
Erfreulich aus deutscher Sicht war vor allem die Draft von Center Tibor Pleiß an 31. Stelle. Von den New Jersey Nets gezogen, wurde er über Atlanta nach Oklahoma City verschifft, dem Team, dass schon vor Wochen reges Interesse am deutschen Nationalspieler bekundet hatte. Pleiß wird aber noch nicht sofort in die NBA gehen, sondern ein weiteres Jahr bei seinem Verein Brose Baskets Bamberg bleiben. Außerdem hatte er erklärt, sich nach der Bundesliga gern in der spanischen ACB beweisen zu wollen, bevor es in die NBA gehen soll.
So interessant die Draft allerdings auch war, auch an
diesem Abend warf die bevorstehende Free-Agent-Periode ihren Schatten voraus.
„LeBron James!"-Sprechhöre waberten zu Beginn durch das Theater des
Madison Square Gardens. Trades wie der, der Bulls und Wizards sollen für mehr
Platz unter dem Salary Cap sorgen, mit dem Free Agents angelockt werden sollen.
Außerdem rüsteten sich zum Beispiel die Toronto Raptors
durch ihre Wahl von Power Forward Ed Davis von der University of North Carolina
(13. Pick) für eine Zeit ohne ihren Free Agent Chris Bosh.
„Ich weiß, dass viele Leute hier sagen, dass Chris Bosh
nicht mehr in Toronto sein wird in der kommenden Spielzeit", sagte Davis.
„Aber ich werde einfach so hart arbeiten, wie ich kann und mir hoffentlich
einen Job als Starter verdienen."
Diesen Vorsatz werden viele der künftigen Rookies haben
...


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