Nowitzki bleibt in Dallas – Doch wie geht es weiter?

Es kam also, wie es die Allermeisten erwartet hatten. Einem Report von ESPN.com zu Folge bleibt Dirk Nowitzki weitere vier Jahre bei den Dallas Mavericks. Star und Team sollen sich auf einen Vertrag über 80 Millionen Dollar geeinigt haben.
Damit verzichtet Nowitzki auf rund 16 Millionen Dollar, denn laut den Statuten des NBA-Tarifvertrages hätten ihm maximal 96 Millionen zugestanden. Diese Summe hätte der 32-Jährige von einer anderen Franchise mit Sicherheit bekommen, wenn er wirklich Angebote gesichtet hätte. Die New York Knicks und New Jersey Nets hatten laut ESPN.com bei Nowitzki vorgefühlt, dieser sich aber nicht interessiert gezeigt.
Durch Nowitzkis „Verzicht" spart Mavericks-Besitzer Mark Cuban 32 Millionen Dollar: die 16 Millionen an Gehalt und – angenommen die Mavs bleiben auch in den kommenden Jahren über dem Salary Cap, wovon auszugehen ist – noch einmal die gleiche Summe, die Cuban als Luxury Tax hätte abführen müssen.
Doch auch wenn der Deutsche seinem Boss finanziell unter die Arme greifen konnte, bedeutet diese Wohltat nicht, dass die Mavs es dadurch leichter haben, Free Agents in die Stadt zu holen. Die Franchise liegt noch immer weit über dem Salary Cap, kann nur per Sign-and-Trade oder Mid-Level Exception Verstärkungen unter den Vertragslosen akquirieren.
Einen Nutzen kann die Bescheidenheit des Würzburgers trotzdem haben. Der erst im vergangenen Februar nach Dallas gekommene Brendan Haywood steht ebenfalls ohne gültiges Arbeitspapier da. Auch ihn dürften die Mavericks gern halten wollen. Gut möglich, dass Nowitzki auf sein Maximalgehalt verzichtete, damit Cuban das so gesparte Geld für die Weiterverpflichtung des defensivstarken Centers investieren kann.
Wo geht es hin?
Wo geht es nun hin für die Mavericks? Wie gestaltet sich die Zukunft von Nowitzki, der nach wie vor NBA-Champion werden will? Wird er einen Titel mit der einzigen Franchise gewinnen können, für die er je gespielt hat?
Zunächst war es für die Mavs enorm wichtig, Nowitzki nicht nur überhaupt zu halten, sondern auch möglichst früh eine Zusage ihres ehemaligen NBA-MVPs zu bekommen. Nur mit ihm im Kader würde es überhaupt eine Chance auf einen Sign-and-Trade mit einem der großen Free Agents geben – ohne den Deutschen würde kein Top-Mann nach Dallas kommen.
Außerdem wäre ohne Nowitzki die gesamte Kaderplanung von Personalchef Donnie Nelson und Mark Cuban in Rauch aufgegangen. Die einzigartigen Talente – sowie die damit einhergehenden Schwächen – Nowitzkis erfordern eine ganz spezielle Art von Mitspielermix um ihn herum, um erfolgreich zu sein.
Jetzt da er an Bord bleibt, können die Mavericks die restliche Zeit bis zum 08. Juli nutzen, um in Sachen Free Agents aktiv zu werden. Fragt sich, wer für Dallas von den Hochtalentierten Sinn macht oder realistisch ist?
LeBron? Perfekt!
LeBron James wäre natürlich eine extreme Verstärkung für die Mavs (für welches Team, wäre er das nicht …). Sein, auf dem kaum zu stoppenden Drive zum Korb aufgebautes, Spiel passt perfekt zu Nowitzkis Fähigkeiten. James könnte an der Dreierlinie mit dem Center Pick-and-Roll spielen, während Nowitzki außen darauf lauert, dass sein Verteidiger bei James aushilft.
Außerdem würden sich die beiden Stars weder Wurfchancen, noch Aufmerksamkeit oder gar Werbeverträge neiden. Nowitzki will seit je her „nur" Basketball spielen, endlich den Titel gewinnen. Er hat keine Probleme damit seinen Status als absoluter Go-To-Guy aufzugeben.
Eine solche Zusammenkunft dürfte allerdings ein Traum bleiben. Sicher: James ist ein großer Fan der Dallas Cowboys aus der NFL und die Aussicht einige Spiele im Stadion der „Boys" vor potenziell 100.000 Fans auszutragen dürfte dem King gefallen. Dennoch wird sich James lieber einem jungen Team anschließen, das er zum Titel führen kann. Die Leistungsträger in Dallas sind zwar vieles, aber nicht jung.
Jason Kidd feierte bereits seinen 37. Geburtstag, Jason Terry, Shawn Marion und Nowitzki sind 32. Einzig Rodrigue Beaubois ist mit 22 Jahren, als Perspektivspieler zu bezeichnen. Der französische Aufbau dürfte nach den Leistungen der vergangenen Saison allerdings auf jeden Fall Teil eines etwaigen Trades für James sein.
Käme der King also nach Dallas, hätte das Team ein Meisterschaftsfenster von ein, zwei Jahren, danach „droht" der Neuaufbau. Bei anderen Teams, etwa den Chicago Bulls oder New Jersey Nets, stehen jüngere, nicht minder talentierte Mitspieler bereit … Die Chancen langfristig an der Spitze zu stehen und um Meisterschaften zu spielen erscheint da um einiges verlockender.
Bosh oder Boozer? Lieber nicht …
Die auf dem Markt verfügbaren Big Men passen von ihrer Spielanlage nicht zu Nowitzki. Weder Boozer, noch Bosh können – genau wie der Deutsche – auf Center spielen, jedenfalls nicht in der Verteidigung. Im Hinblick auf die Konkurrenz in Los Angeles ist es aber ein Muss für Dallas die Länge der Lakers mit eigenen potenten Spielern im Forntcourt zu kontern.
Wade? Kein Interesse …
Auch Dwyane Wade wird nicht das Trikot der Mavericks überstreifen, obwohl sein Spiel, wie das von James, perfekt zu Nowitzkis passen würde. Suchen die Mavs seit 2006 doch händeringend nach einem Spieler, der per Drive Löcher reißt und in der Zone punktet. Wade wird sich aller Wahrscheinlichkeit jedoch entweder für seine Heimat Chicago oder zum Verbleib in Miami entscheiden. Seine Gründe sind die gleichen, wie die LeBrons. Außerdem leben seine beiden Söhne jetzt in Chicago (Wade ließ sich von seiner Frau scheiden), wo auch Wade aufwuchs.
Wertvoll: Dampier und Butler
Dallas wird sich nach Klärung der Free-Agent-Fragen darauf konzentrieren, anderswo nicht mehr gewollte Leistungsträger per Trade zu verpflichten. Dazu sind Erick Dampier und Caron Butler extrem hilfreich.
Dampiers Vertrag (13,1 Millionen Dollar) ist für die kommende Saison nicht garantiert. Würde er getraded, könnte sein neues Team ihn direkt entlassen, ohne ihn einen Cent an Gehalt überweisen zu müssen. Sein „neues" Team würde also sofort einen großen Batzen Geld sparen. Der Center könnte dann für kleines Geld wieder bei den Mavs unterschreiben.
Butlers Kontrakt (10,6 Mio. $) läuft nach der Saison 2010/11 aus. Damit dürfte auch er ziemlich gefragt sein, gibt es doch einige Teams, die sich für die Free-Agent-Sommer positionieren wollen. Dann werden Spieler wie Yao Ming oder Carmelo Anthony aller Voraussicht nach vertragsfrei.
Ansonsten enden auch die Verträge von DeShawn Stevenson (4,2 Mio. $) und JJ Barea (1,8) in zwölf Monaten, was sie zu Teilen eines Trades machen könnte.
Alternativen per Trade
Wer könnte per Trade nach Texas kommen? Die Mavericks werden sich nach Spielern umschauen, die in der gegnerischen Zone punkten können – entweder per Drive oder am Zonenrand. Spieler wie Andre Iguodala aus Philadelphia oder Al Jefferson von den Timberwolves sollen zu haben sein und würden auf diese Jobbeschreibung passen.
Dass etwas passieren wird, erscheint sicher. Mark Cuban war noch nie jemand, der Stillstand nicht als Rückschritt begriffen hat. Nowitzki hätte nicht unterschrieben, wenn er nicht vom Plan der Mavs überzeugt gewesen wäre.
Spannung ist also in Sachen Dallas Mavericks in den kommenden Wochen garantiert …
*Die „Luxury Tax" ist eine Abgabe, die NBA-Clubs an die Liga zahlen müssen, wenn sie mehr Gehälter an ihre Spieler auszahlen, als eigentlich per Salary Cap (Gehaltsobergrenze) erlaubt ist. Für jeden Dollar, den eine Franchise über dem Cap liegt, muss ein Dollar bezahlt werden.


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