Free Agency: Die Big Spender

 

Wie viele Teams können sich eigentlich einen der absoluten Top-Free-Agents leisten? Nun, nicht allzu viele. Die Teams, die in diesem Sommer zu den „Big Spendern" gehören werden, planen seit Jahren auf die kommenden Wochen hin.

Sorgfältig haben sie Verträge so gestaltet, dass sie just vor dem Beginn dieser Free-Agent-Periode auslaufen. Gleichzeitig haben sie clever Spieler, die längerfristige Arbeitspapiere in Händen hielten, an andere Franchises abgegeben – manchmal sogar ohne eine auch nur annähernd entsprechende Gegenleistung.

Es geht darum, auf einen Schlag ein, zwei oder sogar drei Stars in den eigenen Kader zu holen, sich somit über Nacht in den Kreis der Titelanwärter zu katapultieren. Motto: Langsamer Neuaufbau, nein danke!

Keine Vorbilder in der Geschichte

In der Geschichte der NBA gibt es für diese Taktik bisher keinen Präzedenzfall. Jedenfalls nicht, wenn eine Franchise direkt zwei Stars verpflichten will. Die Orlando Magic durchlebten – ähnlich wie die New York Knicks in den vergangenen zwei Spielzeiten – 1999/00 eine Saison ohne Stars. Das Ziel: Im folgenden Sommer Tim Duncan plus entweder Grant Hill oder Tracy McGrady verpflichten. Duncan jedoch blieb in San Antonio. Orlando begnügte sich mit McGrady und Hill.

Doch mit dem „Instant Meister" in Disney World wurde es nichts. Grant Hill verletzte sich schwer am Knöchel, absolvierte in den folgenden drei Saisons nur 47 Spiel für Orlando. Nie ging es für die Magic über die erste Playoff-Runde hinaus.

Wenn es in der Vergangenheit darum ging, nur einen Hochkaräter zu verpflichten, waren die Erfolge sichtbar. So eisten die Los Angeles Lakers den vertragsfreien Shaquille O'Neal 1996 von den Orlando Magic los. Drei Titel gewann der Diesel für L.A. an der Seite Kobe Bryants und Coach Phil Jacksons. Phoenix akquirierte im Sommer 2004 Steve Nash als die Dallas Mavericks nicht mit dem Angebot aus Arizona gleichziehen wollten. Nash wurde zum Grundstein der „Seven-Seconds-or-less"-Fastbreak-Systems und zum Gesicht der Franchise – auch wenn ein Titel oder auch nur eine Finalteilnahme bis heute nicht realisiert wurde.

Beide dieser Teams verfügten zum Zeitpunkt der Verpflichtung des neuen Hoffnungsträgers allerdings bereits über eine Reihe talentierter Spieler, denen der Newcomer bei Seite gestellt wurde. Sie starteten nicht bei Null, wie viele der diesjährigen Free-Agent-Jäger.

Die Big Spender

Aber genug der historischen Aufarbeitung. Wer sind die Franchises, die im Sommer 2010 die Superstars dieses Sommers an Land ziehen können? Und wichtiger: Was haben sie vor?

Chicago Bulls
Die Bulls manövrierten sich mit dem Trade, der kurz vor der Draft Kirk Hinrich nach Washington schickte soweit unter das Salary Cap, dass sie zwei Stars mit Maximalverträgen in den Kader hieven könnten.
Der Kader: Dort würde das Duo ein junger, talentierter Kader erwarten: Aufbau Derrick Rose, Center Joakim Noah, Small Forward Luol Deng, sowie die Power Forwards Taj Gibson und James Johnson.

Die Ziele: LeBron James und Chris Bosh sind die Hauptziele der Bulls. Auch Joe Johnson würde Sinn machen, würde sein Sprungwurf doch die Talentpakete von James und den restlichen Bulls perfekt ergänzen.

Miami Heat
Die Heat sind fast in der glücklichen Lage, neben Dwyane Wade zwei weitere Free Agents an Bord zu bringen, die einen Maximalvertrag fordern. Dazu bräuchte es zwar entweder einen Trade, der Small Forward Michael Beasley fort schickt oder ein Zugeständnis der verpflichteten Stars. Diese müssten dann auf ein paar Milliönchen verzichten, um zusammen am South Beach auf Korbjagd zu gehen.

Der Kader: Wade wird aller Voraussicht nach in Miami bleiben. Ansonsten stehen nur Beasley und Point Guard Mario Chalmers im Kader. James Jones soll in den kommenden Tagen per Abfindung entlassen werden.

Die Ziele: Wade traf sich mit LeBron James und Chris Bosh in Miami, um eine etwaige gemeinsame Zukunft auszuloten. Sollte dieses Szenario nicht zur Realität werden, wären Amar'e Stoudemire oder Carlos Boozer Möglichkeiten. Beide dürften aber nicht den absoluten Traumvorstellungen von Personalchef Pat Riley entsprechen. Stoudemire ist nicht die defensive Präsenz, die Riley gern sieht, Boozer – das zeigte die Playoffserie gegen die Lakers – ist kein Power Forward, der ohne All-Star-Center an seiner Seite eine Meisterschaft gewinnen kann.

New York Knicks
Die Fans in New York mussten lange auf diesen Sommer warten. General Manager Donnie Walsh brauchte lange, um die zahlreichen langfristigen Verträge aus dem Kader zu tilgen und die Franchise wieder handlungsfähig zu machen. New York setzte wie kein anderes Team alles auf die Karte „Sommer 2010".Wie die Heat und Bulls können auch die Knicks zwei Maximalverträge vergeben.

Der Kader: Mit den Small Forwards Danilo Gallinari und Wilson Chandler, Aufbau Toney Douglas, Center Eddy Curry sowie Swingman Bill Walker stehen einige Spieler bereit. Hinzu kommen die Zweitrundenpicks Andy Rautins und Landry Fields. Bis auf Gallinari hat keiner dieser Spieler das Potenzial jemals zu einem All Star zu reifen.

Die Ziele: Natürlich geht es in New York City vor allem um LeBron James, dem am liebsten Chris Bosh an die Seite gestellt werden soll. Die Franchise hat allerdings auch Dwyane Wade auf dem Zettel. Joe Johnson und Amar'e Stoudemire sind ebenfalls Möglichkeiten. Immerhin spielten beide einst unter Coach Mike D'Antoni in Phoenix, kennen also sein System.

New Jersey Nets
Eigentlich lief so einiges schief in den Plänen der Nets. Erst verschob sich immer wieder der Umzug in die neue Halle in Brooklyn, dann die katastrophale Saison 2009/10. Doch zur Jahreswende stieg der russische Milliardär Mikhail Prokhorov als Besitzer bei den Nets ein und über Nacht schien alles möglich zu sein, für die hässliche Schwester der Knicks. Der neue starke Mann versprach bei Amtsantritt eine Meisterschaft in den kommenden fünf Jahren – keine leichte Aufgabe also für den neuen Coach Avery Johnson.

Der Kader: Devin Harris auf der Eins, Brook Lopez als Center besitzen beide All-Star-Potenzial. Courtney Lee und Terrence Williams sind talentierte, junge Swingmen. Mit Derrick Favors kommt außerdem ein talentierter Power Forward als Rookie zum Team.

Die Ziele: Nets-Miteigentümer Jay-Z will seinen Kumpel LeBron James in die Stadt lotsen. Diese Hoffnung dürfte sich allerdings zerschlagen. So talentiert die Nets auf dem Papier auch sein mögen, die Bulls bieten mehr und die Aussicht auf zwei Saisons im wenig attraktiven Newark, New Jersey, zu spielen, dürfte den King abschrecken. Als Alternative gelten die Power Forwards Boozer und Stoudemire, deren Defizite (Rebounding bzw. Länge) neben Lopez nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. Favors könnte im Übrigen als Trade-Material benutzt werden, da die Nets Gerüchten zu Folge nicht gänzlich von Favors überzeugt sein sollen.

L.A. Clippers
Das andere Team in Los Angeles will in diesem Sommer zum großen Wurf ausholen und endgültig den eigenen miesen Ruf für immer aufbessern. Dafür investieren die Clippers seit einiger Zeit enormes Geld. In den vergangenen Jahren wurden Free Agents gehalten, sogar eine moderne Trainingsanlage gebaut. Besitzer Donald Sterling gilt aber noch immer als Hinderungsgrund für viele Free Agents. Sie wollen nicht für den umstrittenen Immobilienmagnaten spielen, der in der Vergangenheit in seinem Umgang mit Team und Spielern nicht immer glücklich agierte.

Der Kader: Kein Team kann einem kommenden Free Agent einen solch talentierten Kader bieten. Baron Davis sowie Rookie Eric Bledsoe spielen auf Point Guard, Eric Gordon ist der Shooting Guard, Power Forward Blake Griffin bemannt neben Center Chris Kaman den Frontcourt. Rookie Al-Farouq Aminu steht als Ersatz auf Small Forward bereit.

Die Ziele: LeBron James. Das einzige Loch im Kader klafft auf der Drei. James würde ideal ins Team passen. Nur: Unter Sterling dürfte der King nicht spielen, Sterling selbst will das Team nicht verkaufen. Als Ersatz wäre Rudy Gay ein Thema, dieser ist jedoch ein „Restricted Free Agent". Bedeutet: Sein jetziges Team, die Memphis Grizzlies, können mit jedem Angebot für Gay gleich ziehen und ihn so weiter verpflichten.

Soweit die Ausgangssituationen und die Pläne der Big Player in diesem Sommer. Nicht jeder wird am Ende das bekommen, was er sich vorgestellt hat.

Doch die nächste Chance kommt bereits in zwölf Monaten. Es bleibt immer noch die Möglichkeit, im Sommer 2011 einen erneuten Anlauf zu wagen. Dann nämlich werden Spieler wie Carmelo Anthony, Kevin Durant, Aaron Brooks oder Al Horford ihrerseits zu Free Agents.

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